Käthe Kollwitz, Die Mutter

Diese Arme - schwer lasten sie, drücken herunter, aber sie schützen doch auch, wollen bewahren vor drohendem Unheil. Diese Hände haben schwer gearbeitet , haben für den Unterhalt gesorgt. Aber jetzt sind sie herabgesunken, müde. Das Gesicht der Mutter ist auch müde, wirkt abgekämpft. Vielleicht ist sie aber doch froh, die Kinder noch bei sich zu haben.Die Gesichter der Kinder sind kaum zu erkennen. Das Mädchen wirkt für mich verschmitzt, lustig. Wird sie sich gleich loswinden und loslaufen? Der Junge kommt mir ernster vor, scheint stocksteif zu stehen. Ob er außer der Wärme und Nähe auch schon die Last der Mutter auf sich spürt? Trägt er schon an der Mitverantwortung für die kleine Familie, weil der Vater fehlt, im Krieg gefallen ist? Wenn man weiß, daß Käthe Kollwitz diese Zeichnung 1919 erstellte (Titel: "Mutter"), liegt der Gedanke nahe.


Möchte ich in dem Bild vorkommen? Ich sehe mich am ersten in dem Jungen: ich erinnere mich an den Schutz, den mir meine Mutter gab. Aber nun muß ich meinen eigenen Weg durchs Leben gehen, trage Verantwortung für andere Menschen. In einem Seminar sagten Lehrerinnen:

Das Bild eignet sich für unterschiedliche Altersgruppen, reizt dazu, ins Gespräch zu kommen über Geborgenheit in der Familie, aber auch übergroße Enge. Das Bild kann den Austausch auslösen über persönliche Erfahrungen: Welchen Schutz geben wir einander und welchen erfahren wir, wo halten wir fest und wo werden wir festgehalten, woklammern wir und wo werden wir gegängelt?Das Bild eignet sich aber auch, nach Verknüpfungen mit biblischen Auslagen zu suchen.
LehrerInnen oder VikarInnen fiel ein:1. Die Geschichte vom verlorenen Sohn. Eine lohnende Überlegung: Was ist da ähnlich, was anders?2. Jesus sagt: „Lasset die Kinder zu mir kommen". Kommen da die Mütter vor oder wer sind die, die die Kinder bringen? Jesus sagt nicht nur „Lasset die Kinder zu mir kommen" er "herzt " sie auch. Er meint damit wohl auch: streicheln", "knuddeln", "umarmen"?3. Ich will euch trösten wie einen seine Mutter tröstet..." (Jes.66,13)4. Der zwölfjährige Jesus im Tempel: Jesus hat Streit mit seinen Eltern mit der Begründung: ich muß sein im Haus meines Vaters.Mir fiel der Vers aus 5.Mose 33,27 ein: „Zuflucht ist bei dem alten Gott und unter den ewigen Armen."
 Möglichkeiten für den Unterricht