FÖRDERPREIS 2005
    
 
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  Gedenkstätte für tot geborene Kinder
Friedhof der Martinskirche in Cuxhaven-Ritzebüttel

Zum Werdegang:

Am Anfang stand im März 2003 ein Gespräch zwischen Prof. Dr. Deichert, Chefarzt der Gynäkologie des Stadtkrankenhauses Cuxhaven, Frau Behring, Leiterin der Verwaisten Eltern in Cuxhaven, und Jürgen Köster, Pastor der Martinskirche in Cuxhaven. Es ging bei dem Gespräch um das drängende Problem, wie man mit tot zur Welt gekommenen Kindern, die unter 500 Gramm wiegen und somit nicht bestattungspflichtig sind, umgehen soll.

Im Stadtkrankenhaus Cuxhaven gibt es etwa zehn dieser Totgeburten pro Monat. Prof. Dr. Deichert stellte die bisherige Praxis – die Föten wurden entsorgt – neben der unwürdigen Behandlung ungeborenen Lebens auch als Belastung der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen dar. Gemeinsam sahen wir uns gefordert, zu einer Lösung dieses Problems beizutragen.

Die Beteiligten:

Heute, im Rückblick, stellt sich die weitere Arbeit als „Einrennen offener Türen“ dar. Zunächst bildete sich ein Initiativkreis. Die evangelische und katholische Kirche, ein Bestattungsunternehmer, Vertreter des Krankenhauses (Hebamme und Arzt), Vertreter der verwaisten Eltern, Vertreter des kirchengemeindlichen Friedhofs und des Kinderhospizvereins Cuxhaven kamen zusammen. Die Problemsituation wurde vertieft, Lösungsmöglichkeiten besprochen und Kontakt zu der Initiative ´Regenbogen „Glücklose Schwangerschaft e.V.“` aufgenommen, die von ähnlichen Initiativen berichten konnte.

Lösung:

Eine passende Grabstätte auf dem Friedhof der Martinskirche wird gefunden, hergerichtet und gestaltet. Nur das Material, nicht aber die Arbeitszeit wird seitens des Friedhofes berechnet.
Auch die Beisetzungen werden kostenlos durchgeführt. Ein Bestattungsunternehmen kümmert sich kostenlos um die „Logistik“, den Transport, die Aufbewahrung der Föten und die Graburne. Diese wird vom Krankenhaus Cuxhaven zur Pathologie nach Bremerhaven und zurück gebracht, in Cuxhaven aufbewahrt, dann im Krematorium verbrannt und gemeinsam in einer Urne bestattet. Dies geschieht jeweils im Abstand von 3 Monaten. Das Krematorium in Cuxhaven führt die Verbrennungen ebenfalls kostenlos durch. Die verwaisten Eltern übernehmen die Patenschaft für die Gedenkstätte. Sie garantieren die Pflege des Grabes und sind bei den Trauergottesdiensten als Lektorinnen dabei.

Die Gedenkstätte:

Vierteljährlich werden auf dem Friedhof die Föten in einer Sammelurne beigesetzt. Die betroffenen Eltern werden dazu eingeladen, ebenso über die Lokalzeitung die interessierte Öffentlichkeit. Bei Bedarf können die Eltern dem Kind, das sie verloren haben, einen Namen geben, der bei der Gedenkfeier verlesen wird. Der Gottesdienst wird im Wechsel von Pastoren und der Superintendentin des Kirchenkreises zusammen mit Lektorinnen gehalten. Nach einem Gedenken mit Gebet, Lesung, Ansprache und Aussegnung folgt der Gang zum Grab und die Beisetzung der Urne.
Eine Gärtnerei stellt Blumen zur Verfügung, die an die Grabstelle gelegt werden. Im Sommer 2003 hat ein angehender Steinmetzmeister sein Meisterstück, einen Grabstein, kostenlos der Gedenkstätte zur Verfügung gestellt. Er trägt die Inschrift: „Weil du in meinen Augen so wert geachtet und auch so herrlich bist, und weil ich dich lieb habe, deshalb fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir“ (Jesaja 43).
Zusammen mit der Pflasterung, der grünen Umgebung und den Sitzbänken wurde ein würdiges Areal geschaffen, das einlädt, bei den Gottesdiensten als auch zu anderen Zeiten der Kinder zu gedenken.

Abschließend sind zwei Aspekte hervorzuheben, die dieses Projekt auszeichnen.

(1) Zum einen die schnelle Umsetzung: Von der Idee zur Verwirklichung dauerte es nur neun Monate. Alle Beteiligten waren sich, obwohl aus ganz verschiedenen Bereichen kommend, schnell einig und arbeiteten konstruktiv zusammen. Der finanzielle Aspekt spielte eine zunehmend geringe Rolle. Es stellte sich bald heraus, dass kaum laufende Kosten anfallen würden. Anfangs entstehende Materialkosten wurden von Spenden (auch seitens der Hannoverschen Landeskirche) gedeckt. Allen anderen ist die Beisetzung so wichtig, dass sie auf jegliche Kosten verzichten (s.o.).

(2) Zum anderen die Resonanz in der Öffentlichkeit: Die Lokalpresse hat vielfach über das Projekt berichtet. Es ist sehr deutlich das Wohlwollen vieler Menschen zu hören und zu spüren, die von der Gedenkstätte wissen und sie besuchen. Viele Frauen und Männer haben das Leid, ein Kind früh zu verlieren, selbst erfahren. Das verfolgt sie ein Leben lang. Auch noch Jahrzehnte später nehmen sie die Möglichkeit wahr, an diesem Ort zu trauern. In einer Zeit, da der Wert des Lebens gerade an seinen Rändern, in Mutterleib und im Alter, diskutiert wird, ist die Gedenkstätte auch eine eindeutige Stellungnahme der Kirche in der Öffentlichkeit.

Kontakt:

Jürgen Köster, Pastor, Vorwerk 5, 27472 Cuxhaven, 04721/22111; Juergen_Koester@t-online.de


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