FÖRDERPREIS 2005
    
 
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  Kunst im Konfirmandenunterricht
Petrus-Kirchengemeinde Leer-Loga

Die Frage nach der Zukunft der Kirche spielt in den jährlichen Klausuren des Kirchenvorstandes der Ev.-luth. Petrus-Kirchengemeinde eine zentrale Rolle. Dabei haben sich die Schwerpunkte Gottesdienst, Kinder- und Jugendarbeit, sowie Konfirmandenarbeit herauskristallisiert und das Projekt „Kunst im Konfirmandenunterricht“ hervorgebracht.

Profil:

Dieses innovative und kreative, erlebnis– und beteilungsorientierte Projekt ist ein zentraler Bestandteil des Konzepts unserer Gemeindearbeit geworden. Die theoretischen Hintergründe von Theologie und Ästhetik, Pädagogik und Liturgie, Gemeindekonzept und Lebenswelt von Jugendlichen können und müssen an dieser Stelle nicht dargestellt werden. Sie bilden allerdings ein wesentliches Rückgrat unseres Projektes, das sich zugleich aus der Erfahrung eines langen Berufslebens als Pastor, der Lust hat zum manchmal schwierigen Umgang mit Kindern und Jugendlichen, aus dem eigenen kreativen Gestaltungsdrang, dem ermutigenden Zuspruch unseres Kirchenvorstandes und einer zunehmenden Akzeptanz bei Konfirmandinnen und Konfirmanden, deren Eltern, unserer Kirchengemeinde und einer weiteren Öffentlichkeit speist.

Struktur und Inhalte:

Das Projekt „Kunst im Konfirmandenunterricht“ ist ein Prozess. Dieser Prozess lebt aus kreativen, gestalterischen und beteiligungsorientierten Elementen und Methoden. Die Inhalte und Stoffe des traditionellen Konfirmandenunterrichtes werden zu Themengruppen zusammengefasst und gestalterisch bearbeitet.

Beispiele sollen das verdeutlichen. Das Thema Abendmahl wird im Gespräch erarbeitet. In verschiedenen Schritten werden Möglichkeiten einer gestalterischen Umsetzung bedacht. In diesem Fall hat eine Gruppe sich entschlossen, drei Holzbretter im Sinn von Stelen zu bearbeiten. (Jeweils ca. 2 Meter lang, 40 cm breit. Die Flächen werden mit Symbolen des Abendmahles z.B. Wein, Brot, Kelch, Ähren bezeichnet und anschließend mit Schnitzbeiteln und Klöppel herausgearbeitet. Zum Schluss wurden die Stelen geflammt und an der Eingangstür unserer Petruskirchengemeinde aufgestellt. Eine andere Gruppe hat großformatige Bilder zum Thema Kreuz gemalt. Der Gesprächsphase zu Beginn folgte ein Besuch in der Kunsthalle in Emden. Die Bilder des spanischen Künstlers A. Tapies dienten zur Begegnung und Auseinandersetzung mit dem Thema Kreuz in seinen Werken. Im Anschluss an die Bildbefragungen wurden im Atelier der Kunsthalle eigene erste Entwürfe erstellt. In den folgenden Wochen wurden eigene Bildentwürfe hervorgebracht und an einem Wochenende gemalt. Die Produkte fließen in einen Vorstellungsgottesdienst ein, den die Gruppe vollständig vorbereit und mit der Gemeinde gefeiert hat. Solche Kooperationen erfolgen auch mit Schulen und anderen Institutionen vor Ort. So auch mit dem in unserer Gemeinde ansässigen Verein zur Pflege der Wallheckenlandschaft. Im Sinn eines Land-Art-Projektes haben sich Konfirmanden und Konfirmandinnen mit den Themen Schöpfung, Bibel, Petrus als Patron unserer Kirchengemeinde beschäftigt. So ist im Laufe von Monaten eine völlige Neugestaltung der Außenanlagen um unsere Gebäude entstanden. Die Gebäude sind erkennbar geworden und die Skulpturen im anliegenden Skulpturengarten laden zum Gespräch und zum Verweilen ein.

Die Gespräche vor Bildern und Objekten mit anschließenden eigenen kreativen Erprobungen in den Ateliers fördern die persönliche Auseinandersetzung mit verschiedenen Lebens- und Weltentwürfen im Kontext der Tradition unserer Religion und Kultur. Eine besondere Rolle spielen dabei ganztägige Exkursionen z. B. in das Marcks-Haus in Bremen.

Durch Übernachtungen im angrenzenden Birgittenkloster in Bremen werden vielfältige Bezüge und Begegnungen möglich. Es eröffnen sich Räume für emotionales und sozialen Lernen. In einer Zeit fortgeschrittenen Individualismus ist uns die kommunikative und soziale Komponente in der Konfirmanden- und Jugendarbeit besonders wichtig.

Integration:

Die vielschichtigen Produkte des angedeuteten intensiven Schaffensprozesses bringen die Konfirmandinnen und Konfirmanden regelmäßig und zu besonderen Anlässen in unsere Gemeindearbeit ein. So wurden unter anderem Stahlfiguren aus Schrott und Altmetall geschweißt und in Abendmahlsgottesdienste am Vorabend der Konfirmation eingebracht. Mittlerweile ist ein 4,50 m hohes Kreuz aus Stahl und Schrott an der Petruskirche angebracht.

Die von Konfirmandinnen und Konfirmanden gestalteten Gottesdienste gehören zu den herausragenden Erlebnissen unserer Gemeindearbeit. Eltern, aktive Gemeindeglieder, regelmäßige und lebensgeschichtlich aktuell interessierte Gottesdienstbesucher, Gruppen aus unserer Gemeinde und Institutionen unseres gemeindlichen Umfeldes kommen auf diesen Weg in ein produktives Spiel aus Gespräch und Handeln, Information und Kooperation, Spiritualität und Kreativität.

Identifikation:


Das Projekt „Kunst im Konfirmandenunterricht“ hat mittlerweile eine Dynamik in zwei Richtungen entfaltet:
Gemeindeglieder identifizieren sich neu mit ihrer Petruskirchengemeinde. Die Skulpturen und verschiedenen Objekte, so auch ein Wasserspiel direkt am Eingang der Häuser – regen Menschen an, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Unsere Gemeinde existiert ohne gewachsenen Ortskern als Siedlungsgemeinde mit fünf Neubaugebieten. Die seit Jahren nicht mehr wahrnehmbaren Gebäude – Kirche und Gemeindehaus – machen „Kirche vor Ort“ neu wahrnehmbar. Sie wecken mit den neuen Außenanlagen und dem Skulpturengarten die Aufmerksamkeit einer größeren Öffentlichkeit. Das schafft neue Identifikation und stärkt die Akzeptanz, die unsere Kirche in der Öffentlichkeit braucht.

Die Form „Kunst im Konfirmandenunterricht“ hat sich zum Motor unserer Gemeindearbeit entwickelt und bringt jung und alt, Insider und Distanzierte in einen bewegenden und nachhaltig wirkenden Austausch.

Kontaktadresse:

Pastor Peter Licht
Verbindungsweg 28
26789 Leer

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