Notfallsituationen in der Schule sind für alle Beteiligten mit besonderen Belastungen verbunden.
Dennoch machen sich viele über Handlungsmöglichkeiten in entsprechenden Situationen erst Gedanken, wenn Schülerinnen und Schüler von Situationen wie Unfällen, Krankheiten, Tod und Suizid von Elternteilen, Geschwistern oder nahen Angehörigen betroffen sind.
Bei der Organisation und Zuständigkeit für eine psychologische Notfallhilfe bleiben Schulleitungen, Kolleginnen und Kollegen in der Regel auf sich allein gestellt, so dass vieles improvisiert oder dem Zufall überlassen wird. Häufig sind es besonders die Religionslehrkräfte, die in solchen oder ähnlichen Situationen von Kolleginnen und Kollegen oder der Schulleitung angefragt werden und dann in besonderer Weise gefordert sind.
Um handlungsfähig zu bleiben sind Internetangebote, die der Frage nachgehen, was dann in einer Schule getan werden kann, ausgesprochen hilfreich. Sie geben Anregungen und sollten dazu genutzt werden, vor dem Eintreten von Notfallsituationen konzeptionell über Kriseninterventionsprogramme nachzudenken.
Im folgenden sollen einige Angebote beschrieben werden, die Kolleginnen und Kollegen hilfreiche
Hinweise zur „Ersten Hilfe für die Seele“geben und geeignet sind, eigene Strategien im Vorfeld zu entwickeln.
Hilfen für den Umgang mit plötzlichen Todesfällen in der Schule - Eine Arbeitshilfe
Das Bistum Eichstätt hat auf seinen Internetseiten eine Arbeitshilfe für den Umgang mit plötzlichen Todesfällen in der Schule zur Verfügung gestellt. Obwohl es sich um eine umfangreiche Sammlung handelt, soll sie nicht als abgeschlossenes Werk verstanden werden. Aufgrund der Vielfalt der Altersstufen, Schularten, Situationen, Anlässe und Bedürfnisse erhebt die Arbeitshilfe nicht den Anspruch, allen Situationen gerecht zu werden. Deshalb ist mit der Veröffentlichung der Appell verbunden, eigene, erprobte Materialien ergänzend zur Verfügung zu stellen. Auf der Seite
www.bistum-eichstaett.de/schulpastoral/ein-todesfall kann die Arbeitshilfe als Word- und PDF-Datei heruntergeladen werden.
Krisenseelsorge im Schulbereich
Eine Orientierungshilfe zum Umgang mit traumatischen Ereignissen im Bereich der Schule wurde von Katrin Weidemann und M. Christine Heider veröffentlicht und kann unter der Adresse
www.notfallseelsorge.de/Besondere%20Einsaetze/bug137online.pdf als PDF-Datei geladen werden.
Das Heft enthält neben grundlegenden Informationen über den Umgang mit akuten Belastungssituationen und posttraumatischen Belastungsstörungen, Hinweise für das Gespräch mit der Klasse, Anregungen für Rituale und Tipps zur Verarbeitung eigener Stressreaktionen.
Notfallplan für die Schule
Sehr klar und detailliert gibt der aus den USA stammende „Notfallplan für die Schule“ Auskunft für Interventionsstrategien in unterschiedlichsten Notfallsituationen. Zwar merkt man es dem Plan an, dass er in den USA entstanden ist, dennoch gibt er wertvolle Hinweise für die Entwicklung eines eigenen Notfallplans für die schulische Arbeit vor Ort. Das Dokument steht unter der Adresse
www.notfallseelsorge.de/Besondere%20Einsaetze/Notfallplan.pdf als PDF-Datei zum Download bereit.
Richtlinien für das Verhalten in der Schule nach einem Todesfall
Kurz und übersichtlich hat Thomas Barkowski Hilfsmittel für den Umgang mit einem Todesfall in der Schule beschrieben. Die Publikation folgt chronologisch einem Krisenereignis und stellt ausgehend von einem Notfallereignis angemessene Handlungsschritte von ersten Informationen, über den Kontakt mit betroffenen Eltern bis hin zur Unterstützung einer Klasse bzw. einzelner Schüler dar. Die Handreichung kann unter der Adresse
www.notfallseelsorge.de/Besondere%20Einsaetze/Kinder.htm als Word-Datei geladen werden.
Krisenmanagement bei Klassenfahrten
Unter dem Motto „Was passiert, wenn ’was passiert?“ gibt die Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelischer Jugendferiendienste e.V. (BEJ) eine Publikation zum Thema „Krisenmanagement bei Kinder- und Jugendreisen“ heraus. Das 95-seitige Heft befasst sich neben Anforderungen an einen Krisenplan mit unterschiedlichen Modellen für die praktische Umsetzung. Ein besonderer Schwerpunkt wird auf die Öffentlichkeitsarbeit im Krisenfall, die Krisenbegleitung durch die Notfallseelsorge und die Ausbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Ferienfreizeiten gelegt. Auch wenn die Broschüre nicht direkt für den Bereich Schule verfasst wurde, finden Lehrerinnen und Lehrer hier hilfreiche Hinweise zum Thema Krisenmanagement bei Klassenfahrten. Informationen zum Heft wurden unter der Adresse
www.bej.de/krisenmanagement" veröffentlicht. Die Anlagen zum Heft können auf der Seite als PDF-Dateien geladen werden.
Von der Notfallpsychologie zur Notfallpädagogik
Wer sich grundlegender über das Thema „unverletzt betroffener Kinder in Notfallsituationen“ auseinandersetzen möchte, dem sei die Dissertation von Harald Karutz empfohlen. In der Arbeit wird Forschungs- bzw. Arbeitsstand zur Psychischen Ersten Hilfe bei Kindern in Notfallsituationen ausführlich dargestellt. Auf dem Hintergrund der Aussagen von 96 betroffenen Kindern hat der Autor konkrete Hinweise für die Psychische Erste Hilfe bei unverletzt-betroffenen Kindern formuliert und in einem neuen Regelwerk zusammengefasst. Darüber hinaus werden Vorschläge für die Umsetzung bei Einsätzen von Rettungsdiensten und Notfallsituationen in Schulen gemacht. Insbesondere die in zwei Exkursen dargelegten Möglichkeiten zur längerfristigen Vor- und Nachbereitung von Notfallsituationen sind Pädagoginnen und Pädagogen zu empfehlen. Karutz plädiert hier dafür, analog zur Notfallpsychologie eine speziellen Notfallpädagogik zu entwickeln. Die Dissertation kann unter der Adresse „/www.veid.de/fileadmin/Leseecke/Dissertation-Karutz.pdf“ als PDF-Datei geladen werden.
Plötzlicher Kindstod - Eine Arbeitshilfe zum Umgang mit trauernden Eltern
Unter der Titel „Wenn der Tod am Anfang steht. Eltern trauern um ihr totes neugeborenes Kind – Hinweise zur Begleitung, Seelsorge und Beratung" hat die Deutsche Bischofskonferenz eine Arbeitshilfe herausgegeben, die sich an haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Seelsorge, in Krankenhäusern oder Beratungsstellen richtet. Die 96-seitige Publikation kann unter der Adresse „http://www.notfallseelsorge.de/Besondere%20Einsaetze/Wenn%20der%20Tod%20am%20Anfang%20steht.pdf“ als PDF-Datei geladen werden. Sie enthält im ersten Teil Hinweise für die seelsorgliche Begegnung mit und Begleitung von trauernden Eltern. Insbesondere hier erhalten Lehrerinnen und Lehrer wichtige Hinweise für den Umgang mit vom Tod (auch älterer Kinder) betroffener Eltern. Neben psychologischen Gesichtspunkten im Umgang mit den Trauernden werden darüber hinaus konkrete Vorschläge für Krankenhäuser, Kirchengemeinden, Beratungsstellen und Bildungshäuser sowie für eine christliche Bestattungs- und Trauerkultur formuliert. Ein zweiter Teil enthält Textvorschläge für das persönliche Gebet und Anregungen zur Gestaltung von liturgischen Begräbnisfeiern, bei denen Eltern und Angehörige von ihrem Kind Abschied nehmen können. Der dritte Teil greift die Sorge vieler gläubiger Eltern auf, deren Kind ohne Taufe gestorben ist, und gibt in einer theologischen Reflexion Antwort auf ihre Fragen. Ein Überblick über die rechtlichen Bestimmungen der einzelnen Bundesländer zum Bestattungswesen von Tot- und Fehlgeburten, Kontaktadressen sowie weiterführende Literaturhinweise und Materialien für die Praxis runden die Handreichung ab.
Nico und Nicola - Ein Internetangebot für trauernde Kinder
Die Internetseite
www.nico-und-nicola.de„http://www.“ entstand auf Initiative der Nicolaidis Stiftung (Stiftung zur Unterstützung jung verwitweter Mütter und Väter) und wurde von Kindern und Jugendlichen gestaltet, die einen Elternteil verloren haben. Neben direkten Möglichkeiten zur internettypischen Kommunikation (Forum oder Chat) wird betroffenen Kindern und Jugendlichen eine Beratung via E-Mail angeboten. Gleichzeitig kann die Seite zur Darstellung von Erfahrungen mit dem Tod von Mutter oder Vater genutzt werden. „Infos von A-Z“ greifen Themen wie „Abschied“, „Alleine sein“, „Angst“, „Trauer“, „Wut“ usw. auf und informieren in angemessener Sprache. Hinweise auf Projekte, eine Bildergalerie und Links runden das Angebot ab. Ein weitere Website mit ähnlichem Schwerpunkt findet sich unter der Adresse „http://www.allesistanders.de/“. Ein weiteres Forum für Halbwaise wurde vom Verein „verwitwet.de“ auf seiner Homepage eingerichtet (http://www.verwitwet.de/). Mit dem Hinweis auf die Web-Adressen können Lehrerinnen und Lehrer betroffenen Kindern und Jugendlichen eine Möglichkeit zum Austausch mit Gleichaltrigen in ähnlichen Situationen eröffnen.
Notfallseelsorge der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers
Ergänzend ist auf die flächendeckend im Gebiet der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers arbeitende Notfallseelsorge hinzuweisen. Der Kontakt zu den nahezu in jedem Kirchenkreis tätigen Notfallseelsorgerinnen oder Notfallseelsorger kann zeitnah über die regional zuständigen Rettungsleitstellen hergestellt werden. Sicher bietet es sich an, vor einem Notfall an der Schule konkrete Kooperationsabsprachen für den Ernstfall zu treffen.
Feuerwehr-Unfallkasse Niedersachsen
Hinzuweisen ist auch auf die von der erarbeiteten Handouts zum Thema „Bewältigung belastender Einsatzerfahrungen“, die aus verschiedenen Info-Blättern und einem Foliensatz bestehen. Insbesondere Kolleginnen und Kollegen, die sich mit der Struktur und einer möglichst qualifizierten Bewältigung eines Notfalls auseinandersetzen möchten, finden hier Hilfestellungen, wenn sie dieses für die Feuerwehr konzipierte Material auf die eigene Situation transferieren. Informationen zu den Materialien können unter der Adresse http://www.fuk.de/ abgerufen werden.
Dietmar Peter